Projekt Digital Relationships (DigiRe)

Erasmus+
Strategic Partnerships for adult education

Erasmus+

    Koordinator:
  1. Systeme in Bewegung e.V.
  2. Projektpartner:
  3. Stiftung Medien- und Onlinesucht (SMOS), DE
  4. UCHEBNA RABOTILNITSA EVROPA SDRUZHENIE, BG
  5. Sambucusforum vzw, Belgien
  6. FFUNDACJA AUTOKREACJA , Poland
  7. Asociación de Innovación, Formación y Empleo para el Desarrollo sostenible (AIFED), Grenada, ES

Projektdauer: 01.09.2018 – 31.08.2020

Das Projekt :

Im Zuge der Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche bewegen sich immer mehr Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche, täglich und selbstverständlich in digitalen Sozialräumen. Gesellschaftliche, soziale und politische Prozesse in der realen und der virtuellen Welt durchdringen und beeinflussen sich gegenseitig. Die öffentliche Diskussion dazu bewegt sich im Spannungsfeld von Angst und Argwohn vor einer Übertechnisierung des Menschen und der Idealisierung zunehmenden Komforts.

Dabei klafft oft eine Lücke zwischen den Generationen: für Jugendliche sind viele Bequemlichkeiten, aber auch soziale Veränderungen, die durch den technischen Fortschritt entstanden sind, alltäglich und selbstverständlich. Die Eltern- und Großelterngeneration dagegen beobachtet viele Entwicklungen mit Sorge, hat das Gefühl, aus der sozialen Welt, die sich digital abspielt, teilweise ausgeschlossen zu sein, und reagiert häufig mit Ratlosigkeit und Ablehnung. Diese Entwicklung läuft in vielen Familien unreflektiert, wenn nicht gar unbemerkt ab. In unserer Beratungspraxis erleben wir immer wieder, wie Eltern verständnis- und hilflos auf das virtuelle Sozialleben ihrer Kinder reagieren, oft ohne ihre eigene Nutzung der sozialen Medien zu reflektieren. Eltern fehlt oft das Verständnis dafür, dass Beziehungen von Jugendlichen und Kindern sich heute häufig digital (z.B. in soz. Medien) abspielen. Die technische Entwicklung hat die der Erziehungskultur überholt. Dies führt zu simplen Zeitbegrenzungen oder gar Verboten der Mediennutzung, was heftige Konflikte in den Familien zur Folge haben kann. Jugendliche, die nur stundenweise an Chats teilnehmen können, fühlen sich von ihrer Peer Group abgeschnitten, und Eltern haben das Gefühl, ihre Kinder seien nur noch mit dem Handy beschäftigt. Gleichzeitig nutzen auch Erwachsene soziale Netzwerke oder andere digitale Tools, um mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben, ohne sich ihrer Vorbildfunktion bewusst zu sein.

Im Rahmen der Projektvorbereitung und Konsortiumzusammenstellung haben alle Partner berichtet, diese Problematik aus der eigenen Arbeit zu kennen.

Hier wollen wir mit unserem Projekt ansetzen: wir wollen herausfinden, wie digitale Beziehungen unser reales Leben durchdringen und beeinflussen und wie in europäischen Familien damit umgegangen wird. Wie fühlen sich digitale Beziehungen an, was sind die Vor- und die Nachteile, wie funktionieren sie? Welche Wege haben die Projektpartner gefunden, um damit umzugehen, welche Möglichkeiten können wir noch von Eltern lernen? Dabei ist es unumgänglich, dieses Projekt auf europäischer Basis durchzuführen, denn einerseits ist es ja gerade das, was digitale Beziehungen ausmacht: dass sie über Ländergrenzen hinweg möglich sind. Andererseits scheinen das Familienleben und auch die Medienerziehung in europäischen Ländern in einigen Aspekten unterschiedlich zu sein, was zu positiven Synergien bei der Suche nach Handlungsstrategien führen kann. Schließlich sollten Ländergrenzen und Nationalitäten immer weniger von Bedeutung sein, denn gesellschaftliche Entwicklung kann nur gelingen, wenn wir uns in Europa als Gemeinschaft begreifen und erleben und auf allen Ebenen und in allen Bereichen voneinander lernen.

Resume:

Die zunehmend digitalisierte Welt, in der wir leben und in der unsere Kinder sich als "digital natives" bewegen, stellt Eltern, aber auch die gesamte Gesellschaft, vor immer neue Herausforderungen. In den letzten Jahren hat sich eine rasante technische Entwicklung vollzogen, die dazu geführt hat, dass das soziale Leben vieler Jugendlicher, und zunehmend auch der Kinder, zu großen Teilen online stattfindet. Großeltern skypen mit ihren Enkeln, Familien- und Klassenchats sowie Freunde in sozialen Netzwerken ermöglichen es, ständig in Kontakt zu bleiben, usw. In unsere Beratung kommen immer wieder Eltern, die die Selbstverständlichkeit, mit der ihre Kinder sich in sozialen Netzwerken und Chatgruppen bewegen, nicht mehr nachvollziehen können, ebenso wenig wie den hohen Stellenwert, den diese digitalen Beziehungstools für ihre Kinder einnehmen. Sie sind in Sorge, haben keine Handlungsstrategien und laufen Gefahr, durch simple Verbote den Kontakt zu ihren Kindern zu schädigen. Gleichzeitig sind sie sich oft ihrer Vorbildrolle diesbezüglich nicht genug bewusst und reflektieren die digitalen Anteile der eigenen sozialen Beziehungen nicht oder nur wenig. Wir wollen herausfinden, wie sehr und in welcher Form digitale Beziehungen in den Familien gelebt werden und wie sich das auf die Familien auswirkt. Eine weitere Fragestellung wird sein, ob es Eltern in anderen europäischen Ländern auch so geht, wie sie mit dieser Herausforderung umgehen und welche Lösungen sie gefunden haben. Daher möchten wir uns im Konsortium austauschen, gemeinsam an dem Themenbereich arbeiten und unsere Ideen möglichst vielen Eltern, Großeltern und mit Kindern arbeitenden Personen in Europa zur Verfügung stellen.

Dazu wird es zunächst eine Recherche in den einzelnen Partnerländern geben, die einen Überblick über den aktuellen Wissens- und Forschungsstand zum Thema ermöglicht. Im Laufe des Projekts wird jeder Partner in seinem Land mit mindestens 5 Familien (traditionelle, Regenbogen-Familien oder auch Alleinerziehende) teilstandardisierte Gespräche führen, auswerten und den anderen Partnern im Rahmen eines Meetings präsentieren. In der sozialwissenschaftlichen Forschung wird diese Art der Befragung genutzt, um Sachverhalte zu untersuchen, die im subjektiven Erleben repräsentiert sind und um Grundlagenforschung zu betreiben. Beide Voraussetzungen treffen hier zu, da digitale Beziehungen ein relativ neues Phänomen sind und induktive Schlussfolgerungen einen ersten Eindruck von der Sachlage geben können. Die Ergebnisse der Befragung werden gegen Ende des Projekts zusammengefasst und veröffentlicht. Somit werden allein im Rahmen der Befragung mindestens 30 Familien erreicht (ca. 80- 100 Personen), die wiederum befreundeten Eltern davon berichten werden. Interessierte Personen, Stakeholder und Multiplikatoren können nach Bedarf zu den Partnertreffen in ihrem Land eingeladen werden, damit sie die Möglichkeit bekommen Partner aus anderen Ländern kennen zu lernen und die internationale Zusammenarbeit am Projekt zu erfahren. Daher werden die Partnersitzungen auch zur Verbreitung der Projektergebnisse beitragen. Eine weitere Verbreitung wird über soziale Netzwerke und die homepages und institutionellen Veranstaltungen der Partner stattfinden. Auf diesem Wege wird „DigiRe“ die Sensibilität für das Thema wecken, eine öffentliche Diskussion anregen und die Partnerorganisationen weiter professionalisieren und vernetzen.

"Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben."